Klang der Bilder - Bilder der Klänge
Musik - Bild - Lyrik
Der international tätige Komponist, Foto- und Videokünstler Jean de l´Aire begibt sich in seinem aktuellen Gesamtkunstwerk auf eine klingende visuelle Reise: mit seinem Blick auf VERWEHUNGEN thematisiert er das alte griechische Panta Rhei: Alles fließt, alles wandelt sich.
Lyrik
Paul Celan
WEISS SIND DIE TULPEN: neige dich über mich.
Die Nacht tauscht Wind für fächelnde Hände ein.
Sag:
es werden die Falter schwärmen?
Sag:
mein Mund wird der einzige Kelch sein?
Und du schließt die Augen vor rosigem Schimmer?
Sag?
Denn diesmal - fühlst du? - läßt dich mein Arm nicht mehr
in die Welt . . .
Weiß sind die Tulpen: neige dich über mich!
- - -
NACHTS, wenn das Pendel der Liebe schwingt
zwischen Immer und Nie,
stößt dein Wort zu den Monden des Herzens
und dein gewitterhaft blaues
Aug reicht der Erde den Himmel.
Aus fernem, aus traumgeschwärztem
Hain weht uns das Verhauchte,
und das Versäumte geht um, groß wie die Schemen
der Zukunft
Was sich nun senkt und hebt,
gilt dem zuinnerst Vergrabnen:
blind wie der Blick, den wir tauschen,
küßt es die Zeit auf den Mund.

Paul Celan
Mit allen Gedanken
MIT ALLEN GEDANKEN ging ich
hinaus aus der Welt: da warst du,
du meine Leise, du meine Offne, und -
du empfingst uns
Wer
sagt, daß uns alles erstarb,
da uns das Auge brach?
Alles erwachte, alles hob an.
Groß kam eine Sonne geschwommen, hell
standen ihr Seele und Seele entgegen, klar,
gebieterisch schwiegen sie ihr
ihre Bahn vor.
Leicht
tat sich dein Schoß auf, still
stieg ein Hauch in den Äther,
und was sich wölkte, wars nicht,
wars nicht Gestalt und von uns her,
wars nicht
so gut wie ein Name?